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Die negativen Folgen enger sozialer Vernetzung


Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass Menschen mit engen sozialen Kontakten dazu neigen, Personen außerhalb ihres sozialen Umfelds zu "entmenschlichen"
Enge soziale Kontakte sind zwar gut für einen selbst, aber weniger für andere

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(07.11.11) - Was bringt Menschen dazu, sich feindlich oder sogar gewalttätig gegenüber anderen Menschen zu verhalten? Aus neuen Forschungsergebnissen der University of Chicago Booth School of Business und der Kellogg School of Management geht hervor, dass soziale Kontakte die Neigung verstärken, andere Menschen außerhalb der eigenen Gruppe als "Untermenschen" zu betrachten oder sie entsprechend zu behandeln.

Sehr oft werden Studienergebnisse präsentiert, in denen die positiven Auswirkungen enger sozialer Kontakte nachgewiesen werden: Ein besseres Selbstwertgefühl, Glück und körperliche Gesundheit – allesamt Attribute, deren Ursprung offenbar in sozialem Eingebunden Sein liegt. Doch entgegen dieser Erkenntnisse sieht es jetzt ganz so aus, als wären enge soziale Kontakte zwar gut für einen selbst, aber weniger für andere. Mobbing in der Schule, Bandengewalt und das Foltern von Kriegsgefangenen sind Beispiele für die negativen Auswirkungen, die enge soziale Kontakte haben können.

Die Studie, die von Professor Nicholas Epley, dem Inhaber des John Templeton Keller Lehrstuhls an der Chicago Booth School of Business und Adam Waytz, einem habilitierten Dozenten des Fachbereichs Management und Organizations der Kellogg School of Management durchgeführt wurde, ergibt, dass das Gefühl sozialer Eingebundenheit Menschen dazu verleiten kann, andere außerhalb ihrer Gruppe als Untermenschen zu betrachten. Daraus folgt, dass bei Gruppen, in denen der soziale Zusammenhalt besonders stark ist, wie z.B. in Armeeeinheiten oder Sportmannschaften, die Gefahr besonders hoch ist, dass sie ihre Gegner als untermenschliche Tiere behandeln.

"Enge soziale Kontakte zu anderen haben sehr positive Auswirkungen auf die eigene körperliche und geistige Gesundheit", schreiben die Autoren. "Aber sie ersticken auch die Motivation, soziale Kontakte außerhalb der Gruppe zu knüpfen und können die empfundene Distanz zwischen 'uns' und 'ihnen' vergrößern." Der Studie zufolge reagieren solche Menschen nicht mit Feindseligkeit auf Menschen außerhalb ihres sozialen Umfelds, sondern neigen eher dazu, Außenseitern geringere geistige Fähigkeiten zuzusprechen, d.h., sie nicht als voll entwickelte Menschen wahrzunehmen, sondern eher als Gegenstände oder Tiere.

Die Untersuchung
Ausgehend von der Annahme, dass das Gefühl der sozialen Zugehörigkeit die Neigung verstärkt, Menschen außerhalb des eigenen Umfelds zu "entmenschlichen", führten Waytz und Epley vier Versuche durch, um ihre Theorie auf die Probe zu stellen.

In den ersten drei Versuchen fanden die Forscher heraus, dass Versuchsteilnehmer, die an eine ihnen nahestehende Person dachten, eher dazu neigten, andere Menschen zu "entmenschlichen". Im Gegensatz zur Kontrollgruppe, deren Teilnehmer nicht gebeten wurden, an ihnen nahestehende Menschen zu denken, waren die eigentlichen Versuchsteilnehmer nicht in der Lage, Menschen außerhalb ihres sozialen Umfelds Befindlichkeiten oder Eigenschaften zuzuschreiben bzw. schätzten die Tatsache, dass sie wie Tiere behandelt wurden, als vertretbar ein.

Im vierten Versuch wurden die Teilnehmer in zwei Gruppen eingeteilt. Die Teilnehmer der "eingebundenen" Gruppe füllten einen Fragebogen aus, während ein Freund zusammen mit ihnen in einem Raum saß, die anderen erledigten diese Aufgabe in Anwesenheit eines Unbekannten. Beiden Gruppen wurden Fotos von elf Menschen vorgelegt, die als inhaftierte Terroristen präsentiert wurden, die angeblich für die Planung der Attentate auf das World Trade Center am 11. September verantwortlich waren. Anschließend mussten die Versuchsteilnehmer eine Reihe von Fragen beantworten, darunter auch die Frage, in welchem Maße sie Foltertechniken wie simuliertes Ertrinken und Elektroschocks für vertretbar hielten.

Die Forscher fanden heraus, dass die Gruppe der "sozial eingebundenen" Personen, die den Fragebogen in Anwesenheit eines Freundes ausfüllten, die Gefangenen deutlich stärker "entmenschlichten" als die Teilnehmer der Kontrollgruppe, und dass sie wesentlich eher bereit waren, deren Verletzung gutzuheißen.

Ausgrenzung im Alltagsleben
Abgesehen von extremen Fällen von Gewalt und unmenschlicher Behandlung weist diese Studie darauf hin, dass die Entmenschlichung im Alltag viele verschiedene, nicht immer leicht erkennbare Folgen hat - von Schikanen am Arbeitsplatz über übertrieben aggressive Fans bei Sportveranstaltungen bis hin zur Unterstützung einer aggressiven Regierungspolitik.

"Faktoren, die die Ausgrenzung von anderen fördern, wie Macht, sozioökonomischer Status oder Anonymität, können daher zu einer Entmenschlichung beitragen, indem sie Menschen aus dem Bewusstsein anderer Menschen verdrängen", schreiben die Verfasser. "Aus der vorliegenden Studie geht hervor, dass die soziale Eingebundenheit einer der Faktoren ist, die die Ausgrenzung von entfernteren Anderen verschärfen, was zur Folge hat, dass Menschen nicht mehr so wahrgenommen werden können, wie sie wirklich sind."

Epley unterrichtet seit 2005 an der Chicago Booth School of Business. Waytz schloss 2009 sein Studium in Psychologie mit einem Ph.D. an der University of Chicago ab und unterrichtet seitdem an der Kellogg School of Management.

Die Studie "Social Connection Enables Dehumanization" wird in einer der kommenden Ausgaben des Journal of Experimental Social Psychology erscheinen.
(University of Chicago Booth School of Business: ra)

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